Seit nun knapp 2 Jahren können wir in Korea einen Trend beobachten, der für uns wahrscheinlich erst mal sehr fremd und unverständlich scheint. Dieser Trend nennt sich “Meok-bang”, was so viel heißt wie “Essen auf Sendung”. Wer sich denkt, dass es sich um eine Fernsehsendung zum Thema Essen handelt oder um Essenslieferungen, die oder der liegt schon mal falsch. Es ist genau eines dieser vielen Phänomene aus Ostasien, gerade im Bereich TV, wo Kopfschütteln eigentlich schon fast vorprogrammiert ist, auch wenn es am Ende vielleicht sogar eine Erklärung gibt.

Bei Meok-bang geht es jedenfalls darum, sich beim Essen zu filmen, LIVE, auf YouTube und vor einer enorm großen Öffentlichkeit. Folgende Elemente sind dabei unerlässlich: Erstens, es muss verdammt VIEL Essen sein, was man sich in diesen teilweise 3-stündigen Videos genehmigt. Zweitens, die Kamera muss LIVE dabei laufen, sodass andere Menschen in Echtzeit mit Dir interagieren und per Stream kommunizieren/mitessen können, während Du selbst Nummer 1 bis Nummer 120 der Speisekarte eines koreanischen Restaurants wegputzt. Und drittens scheint es auch sehr wichtig zu sein, was für eine Persönlichkeit dargestellt wird. Die wohl berühmteste Vertreterin dieser Video-Gattung ist Park-Seo-yeon.

Seo-yeon, ein kleines, zierliches, hübsches Mädchen verdrückt im Laufe eines Videos kinderleicht Kilos koreanischer Köstlichkeiten. Sieht sie so aus, als würde sie bereits vor einem großen Salatteller kapitulieren, so isst sie sich freudig ihren Weg durch Teller und Schalen aller Größen und Formen, erzählt dabei munter aus ihrem Leben, über ihre heutigen Speisen und beantwortet Fragen ihrer gebannt zuschauenden und mitessenden Fans. Ihr glaubt das nicht oder könnt Euch kein Bild davon machen? Oder Ihr fragt Euch vielleicht einfach nur: WOZUUU?? Wenn Ihr das Video oben geschaut habt, habt Ihr vielleicht eine Antwort für Euch gefunden.

Aber was haltet Ihr von diesem Trend? Er scheint jetzt jedenfalls nach 2 Jahren angesichts der deutlich niedrigeren Klicks dieser Videos abgenommen zu haben. Liegt das daran, dass dieses Format nicht mehr befriedigt, dahingehend, dass es das „richtige“ gemeinsame Essen nicht mehr kompensieren kann? Oder könnt Ihr Euch vorstellen, dass vielleicht schon bald neue Formen digitaler oder analoger Ersatz-Lösungen gefunden werden und dieser oder ähnliche Trends irgendwann auch uns erreichen? Gerade Formate wie „Let’s Plays“ haben in unserem Land schon Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene in ihren Bann gezogen. Dort nehmen sich Spieler verschiedenster Games online beim Zocken und kommentieren ihres Spielspaßes live auf, Zuschauer können dann einschalten und einfach zuschauen.

Klar ist: Gemeinsam erlebtes und genossenes Essen ist ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Gerade in Korea aber, in dem Land, in dem die Single-Haushalte schneller steigen als wonaders, wird diese Gesellschaft beim Essen zunehmen seltener hergestellt. Dennoch scheinen wir uns gerade deshalb tief im Inneren danach zu sehnen, wenigstens beim Essen sozial interagieren zu können, egal wie das Resultat am Ende aussehen mag. Egal also, wie wir kulturell beeinflusst und gestrickt sind, zum Essen gehören eigentlich mindestens immer zwei Menschen, egal wo und wann.

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